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Notfallseelsorge im Hochsauerlandkreis soll ausgebaut werden

Die Kirchen stellen ihr Notfallseelsorge-Projekt in Meschede vor. Inzwischen sind diese besonderen Seelsorger an eigenen Jacken erkennbar.©WP Jürgen Kortmann
Meschede/Hochsauerlandkreis.
Meist findet ihr Einsatz hinter verschlossenen Türen statt - wenn etwa der Ehepartner gestorben ist. 30 Notfallseelsorger sind im HSK im Dienst. 

Die medizinische Erste Hilfe leisten Notarzt und Rettungskräfte. Um die Erste Hilfe an der Seele kümmern sich im Hochsauerlandkreis andere: Die Notfallseelsorger der katholischen Dekanate und des evangelischen Kirchenkreises Arnsberg. Um noch schneller vor Ort Hilfe anbieten zu können, möchten sie ihr System kreisweit ausbauen. 

47 Einsätze hatten die Notfallseelsorger 2016, acht davon außerhalb von Häusern. Sie sind mit am Unfallort, wenn Fürchterliches passiert ist. Oder sie sind dabei, wenn nachher fürchterliche Nachrichten überbracht werden müssen. Sie bleiben, bis zum Beispiel Verwandte oder Nachbarn kommen, ziehen sich dann zurück. 

Meist hinter verschlossenen Türen 

Der Regel-Einsatz findet hinter verschlossenen Türen statt: Wenn eine Reanimation erfolglos bleibt, und der Ehemann oder Ehefrau plötzlich alleine ist und das verkraften soll. Wenn sich ein plötzlicher Kindstod ereignet hat. Wenn ein Angehöriger über einen Suizid informiert werden muss. Was dann benötigt wird, ist ein Zuhörer – oder überhaupt jemand, der für einen da ist. Die Reaktionen sind so unterschiedlich: Irritiert, wütend, das Nicht-Wahrhaben-Wollen, die Welt zusammenbrechend. Oder: „Man muss auch Schweigen aushalten können. Das ist mir anfangs am schwersten gefallen“, sagt Notfallseelsorger Christoph Decker, Prädikant der evangelischen Gemeinde in Arnsberg.

Einsatzleiter vor Ort entscheidet 

Hier ist die Ökumene längst selbstverständlich: 30 evangelische und katholische Notfallseelsorger stehen kreisweit rund um die Uhr bereit. „Wir als Kirchen haben einen besonderen Anspruch“, sagte Superintendent Alfred Hammer gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Meschede unter anderem mit den katholischen Dechanten. Hammer kündigte an, dass die Evangelische Kirche nach der Fusion der Kirchenkreise Arnsberg und Soest sogar eine hauptamtliche Pfarrstelle für die Notfallseelsorge schaffen will. 

Konfession spielt keine Rolle

Die Konfession allerdings spielt bei der Hilfe gar keine Rolle: „Wir treffen Leute an, über denen alles zusammengestürzt ist. Da geht es nicht um Religion“, sagt Pfarrer Burkhard Krieger (ev. Gemeinde Bestwig-Olsberg). Von zwei Schulen gibt es bereits Anfragen, beim Aufbau von eigenen Kriseninterventionsteams zu helfen: Dann würden Notfallseelsorger kommen, wenn beispielsweise ein Lehrer oder Mitschüler gestorben ist. 

Der Einsatzleiter vor Ort entscheidet, ob Erste Hilfe an der Seele nötig sein kann – dann wird der Bedarf an die Kreisleitstelle in Enste gemeldet, die gibt das weiter. Aber: Die Wege im HSK sind lang. Diakon Hans Joachim Bexkens war auch schon mal eine Stunde von Winterberg aus unterwegs, um in Arnsberg zu helfen: „Das ist eine Stunde Verzug.“ Die Rettungskräfte müssten dann nach Abschluss ihres Einsatzes länger bleiben, Fremde seien in der Zeit „in einem Wohnbereich, der eigentlich mir gehört“.

Deshalb sollen jetzt weitere ehrenamtliche Notfallseelsorger gefunden werden, um Lücken zu schließen, um schneller vor Ort sein zu können – und um die psychische Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Gesucht werden mobile, kommunikative Menschen ab 18 Jahren, die psychisch belastbar sind.

Für die geplante Ausbildung zum Notfallseelsorger oder zur Notfallseelsorgerin findet für Interessierte am Sonntag, 5. November 2017, um 17 Uhr ein Informationsabend statt. Die Ausbildung umfasst mindestens 80 Unterrichtsstunden.

Infos und Anmeldungen dazu bei Hans Joachim Bexkens (02981 6174), Frank Manegold (02961 96611913) und Burkhard Krieger (02962 6487).

©Jürgen Kortmann, Funkemedien - 27.09.2017