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Ökumenischer Empfang der Schulleitungen 2019 in Meschede

Meschede/HSK. Über 30 Schulleiterinnen und Schulleiter folgten jetzt der Einladung der drei katholischen Dekanate im Hochsauerlandkreis und dem neu gegründeten evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg zum diesjährigen ökumenischen Schulleiterempfang ins Gemeinsame Kirchenzentrum Meschede. Bei der Begegnung stand ein Vortrag der Interventionsbeauftragten des Erzbistums Paderborn, Dr. Petra Lillmeier, zum Thema „Sexualisierte und sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Raum der Kirche“ im Zentrum. Dechant Hubertus Böttcher begrüßte die Anwesenden, Dieter Tometten, Superintendent des Kirchenkreises Soest-Arnsberg, freute sich über die Gelegenheit, sich den Anwesenden vorstellen zu dürfen.

Zunächst informierte Dechant Georg Schröder über einen aktuell bekanntgewordenen Missbrauchsfall in Wormbach durch einen katholischen Priester. Dechant Schröder ist als Pfarrer für die Gemeinde Wormbach zuständig. Er forderte eine öffentliche Debatte über die in der katholischen Kirche vorherrschenden Strukturen, die Missbrauch Minderjähriger begünstigen.

Die Interventionsbeauftrage eröffnete ihren Vortrag mit der Vorbemerkung, dass ihre Ausführungen neben ihrer professionellen Rolle auch eine persönliche Komponente beinhalte. Als engagierte Katholikin aber auch als Dozentin am katholischen Institut für Lehrerfortbildung oder als ehemalige ehrenamtliche Missbrauchsbeauftragte komme sie um eine Binnenperspektive nicht umhin, so die Referentin. Im weiteren Verlauf entwickelte sie einen differenzierten Blick auf die Thematik des Missbrauchs Minderjähriger. Sie zeigte, dass die kirchlichen Strukturen den sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche begünstigen, aber dennoch viele Priester und Laien in der Kirche nicht die geringste Verantwortung für konkrete Missbrauchsfälle oder deren Verschleierung tragen.

Sexuellen Missbrauch ursächlich allein auf den in der katholischen Kirche vorhandenen Klerikalismus oder eine unterdrückte Sexualität zurückzuführen, greife zu kurz, erläuterte Dr. Petra Lillmeier. Eine Studie des Wissenschaftlers Jörg Fegert habe 2018 ergeben, dass sexueller Missbrauch im Kontext von Sport ebenso häufig vorkomme wie im Kontext der Kirchen. Im schulischen Kontext sei die Zahl der Betroffenen sogar fünfmal höher als in beiden Kirchen zusammen. In diesem Umfeld kommen jedoch nicht nur Lehrer, sondern auch Mitschüler als Täter in Frage. Mit diesen Hinweisen gehe es nicht darum, das Ausmaß innerhalb der Kirche zu relativieren, vielmehr deutlich zu machen, dass sexuelle Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem sei.

Immer wieder unterstrich Dr. Lillmeier ihre Aussagen mit anonymisierten Fallbeispielen aus ihrer Praxis. Gerade an den konkreten Fällen wurde den Teilnehmenden deutlich, wie differenziert jeder Einzelfall zu betrachten sei. Abschließend formulierte die Interventionsbeauftragte des Erzbistums Paderborn Erfordernisse und Maßnahmen, die sowohl für die Kirche als auch für die Schule gelten. So forderte sie die Anwesenden auf: „Bauen Sie partizipative Leitungsstrukturen auf! Autoritäre Leitungsstrukturen erhöhen die Gefahr, dass Täter unentdeckt bleiben. Sorgen Sie dafür, dass die Stärkung von Kindern zu einer Querschnittsaufgabe wird und schaffen Sie ein klares Beschwerdemanagement.“ Dr. Lillmeier beendete ihre Ausführungen mit der Aufforderung, sich für Veränderungen stark zu machen.

Dekanatsreferent Michael Kloppenburg und Dechant Hubertus Böttcher bedanken sich bei Dr. Petra Lillmeier für ihren interessanten Vortrag.© Dekanat Hochsauerland-Mitte