Missbrauchs-Aufarbeitung hat höchsten Stellenwert

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz führt Gespräche mit allen Aufarbeitungs-Vertretungen / Unabhängige Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung des Erzbistums Paderborn wieder komplett

Die Prävention sowie die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Erzbistum Paderborn ist für Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz „Chef-Sache“: Der neue Paderborner Erzbischof räumt diesem „dunklen Kapitel der Kirche“ höchste Priorität ein. „Als Kirche müssen wir uns diesen Schattenseiten stellen und auch unsere dunklen Seiten ins Licht bringen, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen und damit Zukunft zu ermöglichen“, unterstreicht Erzbischof Dr. Bentz. Der neue Paderborner Erzbischof führte bereits innerhalb seiner ersten einhundert Tage mit allen Vertreterinnen und Vertretern der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Paderborn Gespräche, informierte sich über den Stand der Arbeit, sprach über Unterstützungsmöglichkeiten von Seiten des Erzbistums und sicherte die weitere uneingeschränkte und offene Zusammenarbeit zu. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz traf sich jetzt mit den Frauen und Männern der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs (UAK) im Erzbistum Paderborn“ und begrüßte deren beiden neuen Mitglieder.

© Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz traf sich mit den Mitgliedern der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn (UAK Paderborn). V.l.n.r.: Dr. Eva Brockmann, Generalvikar Dr. Michael Bredeck, Walther Müggenburg, Vorsitzende Birgit Cirullies, Ulrich Sachse, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Burkhardt Stutenz, Reinhold Harnisch, Professorin Dr. Ute Ritterfeld.

Im Gespräch mit den Mitgliedern der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs (UAK) im Erzbistum Paderborn dankte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz den Frauen und Männern für deren verantwortungsvolles Engagement. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich der sicherlich auch persönlich belastenden Ermittlung des Ausmaßes des sexuellen Missbrauchs, dem Umgang mit Opfern und Tätern im Erzbistum Paderborn mit dem Ziel der Aufklärung und Veränderung stellen.“ Der Paderborner Erzbischof begrüßte als neue Mitglieder der Unabhängigen Kommission Burkhardt Stutenz als Betroffenenvertreter sowie Ulrich Sachse, Direktor a. D. des Amtsgerichts Hagen. Aus gesundheitlichen beziehungsweise persönlichen Gründen waren Anfang 2024 zwei UAK-Mitglieder aus dem Gremium ausgeschieden. „Ihr Engagement verdient unser aller Respekt und Anerkennung“, erklärte Erzbischof Dr. Bentz. Er freue sich darüber, dass die Unabhängige Aufarbeitungskommission nun wieder komplett sei und ihre Arbeit uneingeschränkt fortführen könne.

Erzbischof im Gespräch

Im Gespräch mit dem Interventionsbeauftragten Thomas Wendland und dem Interventionsteam des Erzbistums Paderborn informierte sich Erzbischof Dr. Bentz unter anderem über die Vorgehensweisen, wenn über ein Missbrauchsfall informiert wird. Der Paderborner Erzbischof erörterte mit der Präventionsbeauftragten des Erzbistums, Vanessa Meier-Henrich, und dem Team Prävention die bisherige und zukünftige Arbeit, die im Bereich der Prävention von sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn erfolgt. Er tauschte sich zudem aus mit den beiden Ansprechpersonen für alle Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst, Rechtsanwältin Gabriela Joepen und Rechtsanwalt Professor Dr. Martin Rehborn.

Erzbischof Dr. Bentz traf sich mittlerweile weiterhin mit Frauen und Männern der Unabhängigen Betroffenenvertretung, um mit ihnen zu besprechen, wie noch deutlicher aus der Perspektive der Betroffenen gehandelt werden kann. Schließlich führte der neue Paderborner Erzbischof Gespräche mit den Mitarbeitenden des unabhängigen Forschungsteams der Universität Paderborn: Professorin Dr. Nicole Priesching, Dr. des. Christine Hartig und der Historiker Jan Jeskow vom Lehrstuhl für Kirchen- und Religionsgeschichte der Universität erarbeiten eine unabhängige Studie zum Thema: „Missbrauch im Erzbistum Paderborn – Eine kirchenhistorische Einordnung. Die Amtszeiten von Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002)“, die mittlerweile erweitert wurde und nun die Amtszeit von Erzbischof em. Hans-Josef Becker, also die Jahre 2002 bis 2022, in die Forschung mit einbezieht.

© Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn mit den Mitgliedern (v.l.n.r.): Dr. Eva Brockmann, Walther Müggenburg, Vorsitzende Birgit Cirullies, Ulrich Sachse, Reinhold Harnisch, Burkhardt Stutenz, Professorin Dr. Ute Ritterfeld.

Stichwort: Unabhängige Kommission

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn (UAK Paderborn) verfolgt das Ziel, den sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn aufzuklären, insbesondere die Bedingungen, unter denen er geschah und geschehen konnte. Sie ist bestrebt, dabei empathisch, verständnisvoll und objektiv vorzugehen und Einzelfälle ebenso in den Blick zu nehmen wie Strukturen. Die Kommission will möglichst viele Missbrauchssachverhalte aufarbeiten und – soweit es geht – Betroffene und Verantwortliche hören. Sie wird kritikwürdige Verhaltensweisen aufzeigen, Vorschläge unterbreiten und wo nötig mit Nachdruck auf die Umsetzung drängen. All dies auch mit dem Ziel, künftigen Missbrauch zu verhindern.

Die unabhängige Kommission trägt zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn bei. Zu den Arbeitsfeldern gehören: Die qualitative und quantitative Erhebung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn, die Untersuchung des administrativen Umgangs des Bistums mit Beschuldigten und Betroffenen, die Erkennung von Strukturen, die sexuellen Missbrauch ermöglicht oder erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben, Anstoß und Begleitung des Prozesses der Aufarbeitung für den Zeitraum ab dem Jahr 1941 bis in die Gegenwart.

Die UAK Paderborn wurde am 21. Juni 2022 für die Dauer von drei Jahren berufen. Von den sieben Mitgliedern wurden zwei von der Landesregierung und drei vom Erzbischof ausgewählt; zwei weitere vertreten die Betroffenen. Alle Kommissionsmitglieder verfügen über persönliche und/oder fachliche Erfahrungen mit Prozessen der Aufarbeitung komplexer Sachverhalte, auch solcher, die sexualisierte Gewalt betreffen.